Mein Bruder, die Erkrankung und ich: Geschwisterkinder kommen zu Wort

Shownotes

In dieser Spezialfolge geht es um psychische Erkrankungen in der Familie. Gemeinsam sprechen Martha und Nina über ihre unterschiedlichen Erfahrungen: Martha ist selbst betroffen und leidet seit ihrer Jugend unter anderem unter Essstörungen und Depressionen. Nina hingegen ist als Schwester eines jüngeren Bruders mit Autismus aufgewachsen.

Die beiden erzählen, wie sich Geschwisterbeziehungen durch eine Erkrankung verändern und was es bedeutet, in einer Familie groß zu werden, in der ein Kind besonders viel Aufmerksamkeit braucht. Martha spricht über Schuldgefühle und die Sorge, ihrem Bruder eine unbeschwerte Kindheit genommen zu haben. Nina hat vor allem erlebt, wie sehr eine Erkrankung die Familie auch zusammenschweißen kann.

Aber beide wissen: auch gesunde Geschwisterkinder brauchen Aufmerksamkeit, eigene Räume und ein Umfeld, das hinschaut. Denn auch wenn psychische Erkrankungen die Familie verändern, können Kinder durch einen offenen Umgang und Kommunikation begleitet werden.

Mehr zum Thema findest du in unserem Blogbeitrag "Leben als Geschwisterteil eines Kindes mit psychischen Beeinträchtigungen"

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Die nächste Episode erscheint in zwei Wochen.

Dieser Podcast dient der Information. Er ersetzt keine individuelle Diagnose oder Therapie. Wenn du Hilfe brauchst, findest du sie hier:

Im Notfall

Rettungsdienst: 112 (rund um die Uhr erreichbar)

Telefonische Hilfsangebote:

  • Nummer gegen Kummer: 116 111 (kostenfrei, anonym, montags bis samstags von 14:00 - 20:00 Uhr)
  • Telefonseelsorge: 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222 (rund um die Uhr, kostenlos)

Online-Beratung

  • Neben der telefonischen Beratung kannst du dich bei der Telefonseelsorge auch per online Chat beraten lassen.
  • Die Nummer gegen Kummer hat auch eine Online-Beratung, an die du dich wenden kannst.
  • Bei Jugendnotmail kannst du dich von ehrenamtlichen Psycholog:innen und Sozialarbeiter:innen beraten lassen.
  • Bei U25 wirst du von gleichaltrigen Peers online, anonym und kostenfrei beraten.
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Transkript anzeigen

00:00:08: Willkommen bei deinem Podcast, es braucht das ganze Dorf.

00:00:10: Hier sprechen jugendliche Alltagsexpertinnen und Experten mit Profis aus der Wissenschaft

00:00:15: ehrlich und authentisch über

00:00:16: mentale Gesundheit und alles was dazugehört.

00:00:19: Du bist nicht allein denn manchmal braucht es ein

00:00:21: ganzes

00:00:22: Dorf um den Weg zu finden.

00:00:23: Schön dass du Teil des Dorfes

00:00:25: bist.

00:00:32: In diesem Podcast sprechen wir offen über Themen rund um mentale Gesundheit, die für einige emotional herausfordernd sein können.

00:00:39: Wenn du denkst dass das für dich der Fall sein könnte empfehlen wir die Episode nicht allein zu hören.

00:00:44: in der Beschreibung findest du hilfreiche Angebote und Ressourcen die die Unterstützung bieten können.

00:00:54: Hey!

00:00:55: Schönen, dass ihr da seid.

00:00:57: Ihr hört heute eine Spezialfolge von.

00:00:59: es braucht das ganze Dorf.

00:01:01: Normalerweise sprechen hier Jugendliche mit Expertinnen aus Psychologie oder Therapie.

00:01:06: Heute ist das anders, heute sprechen wir beide aus eigener Erfahrungen.

00:01:10: Ich bin Nina, achtzehn Jahre alt und mein jungerer Bruder hat Autismus.

00:01:15: ich habe sehr lange gebraucht um zu verstehen was es auch mit mir gemacht hat.

00:01:19: Als Schwester stehst du oft irgendwo in der Mitte.

00:01:21: Du willst helfen aber weißt nicht wie.

00:01:23: Du machst dir Sorgen Aber willst nicht zusätzlich belasten Und irgendwann fragst du dich wer schaut eigentlich nach mir?

00:01:29: Ich bin Marja, ich bin achtzehn Jahre alt.

00:01:32: Mit dreizehn habe ich Depressionen und eine Essführung entwickelt.

00:01:36: dazu Angst- und Zwangsstörungen war mehrere Monate stationär in der Psychiatrie.

00:01:40: bis heute beschäftigt mich was meine Erkrankung mit meinem Bruder gemacht hat Und wie es ihm zu der Zeit ging.

00:01:47: Heute sprechen wir darüber Was macht eine psychische Erkankung mit Geschwistern?

00:01:51: Wir wollten gerne mit etwas positiven Staaten.

00:01:54: deswegen haben wir überlegt was Schönes als nächstes mit unseren Brüdern

00:01:57: ansteht.

00:01:58: Also, ich freu mich auf unseren Sommerurlaub.

00:02:00: Wir fahren als Familie nach Dänemark und da glaub ich es wird schon bestimmt schön.

00:02:05: Ja, sehr schön!

00:02:06: Bei mir gibt's nicht so ein bestimmtes Ereignis aber ich bin ja bald mit der Schule fertig und freue mich sehr auf die Zeit, die mir jetzt noch zu Hause bleibt mit meinen Brüdern.

00:02:16: Und irgendwie weiß ich sie auch richtig zu schätzen weil ich weiß dass sie bald vorbei ist.

00:02:22: Da freu' ich mich.

00:02:23: Wie hat sich deine Beziehung zu deinem Bruder durch die Erkrankungen verändert?

00:02:28: Mittlerweile sind wir sehr eng miteinander.

00:02:30: Ich würde sagen, enger denn je.

00:02:32: und

00:02:33: als ich

00:02:34: krank wurde ... war da viel Unsicherheit und wir wussten beide nicht so richtig, wie wir miteinander umgehen mussten, hatten beide Angst, was falsch ist zum machen.

00:02:43: Gleichzeitig war mein Bruder ja auch noch klein, ich war halt drei Zehn.

00:02:46: Und er zehn.

00:02:48: Und irgendwie war es gar nicht so leicht, wie erklärt man im Zehnjährigen das jetzt alles kindgerecht.

00:02:55: Ohne dass er irgendwie überfordert damit ist und sodass er damit gut umgehen kann.

00:03:01: Deswegen hatte ich Angst, dass er zu viel mitkriegt meiner Eltern auch.

00:03:05: Er war wahrscheinlich verunsichert weil er nicht so richtig wusste was passiert da gerade mit meiner Schwester?

00:03:11: Ja.

00:03:13: Also, wir waren trotzdem uns nah und haben uns doll geliebt.

00:03:16: Aber es war irgendwie so eine große Verunsicherung zwischen uns beiden, dass wir mehr Abstand gehalten haben, würde ich sagen.

00:03:24: Wahrscheinlich hab' ich auch sicher das Abstand

00:03:26: gehabt!

00:03:27: Das kann ich auf jeden Fall sehr gut verstehen.

00:03:29: Gab es einen bestimmten Moment, wo du gemerkt hast, dass das nicht nur dich betrifft, sondern auch dein Bruder?

00:03:36: Ich glaube eigentlich war mir das schon von Anfang an klar und das war genau der Grund, warum ich so lange probiert habe, dass meine Eltern und mein Familie möglichst wenig davon mitbekommen, dass es mir schlecht geht.

00:03:47: Weil ich wusste, sobald sie's wissen ... sind Sie irgendwie mit drin in diesem ... Es geht dir schlecht!

00:03:51: Dann haben Sie das Gefühl, Sie müssen sich kümmern und machen Vorwürfe.

00:03:57: gibt es nicht so einen richtig genauen Moment, sondern ich glaube, sobald ich aufgeflogen war.

00:04:03: Ja ... Sobald die Leute mitbekommen haben, mir geht's nicht gut und meine Eltern wussten das und mein Bruder hat das natürlich auch mitbekommen.

00:04:09: Also, so bald die das irgendwie mitbe kommen haben, war mir schon klar, dass sie jetzt eben auch emotional mitnehmen wird.

00:04:16: Weil dir ist ja noch mal unterschiedlich?

00:04:18: Dein Bruder ist ja geboren wie er ist.

00:04:20: Das heißt du hast nicht ein vorher nachher.

00:04:23: Wie hat sich das als Kind für dich angefühlt?

00:04:25: irgendwie einen autistischen Bruder zu haben.

00:04:28: Ich glaube, besonders als ich ganz klein war, war das für mich nicht so eine Frage, weil ... Ich kannte es ja nur so.

00:04:35: Für mich war das nie was anderes oder so.

00:04:38: und irgendwann, als ich halt ... mehr auch bei Freunden zu Hause war, hab ich dann irgendwie gemerkt.

00:04:44: Dass mein Bruder sich irgendwie oft anders verhält als Geschwister von meinen Freundinnen.

00:04:50: Aber für mich war das nie was Negatives.

00:04:53: Mir ist einfach immer aufgefallen, dass wir eine sehr ... Enge Familienbeziehung hatten.

00:04:58: Dadurch, dass mein Bruder viel zu Hause war ... Weil es sozial auch sehr schwierig für ihn war, war's so, wir als Familie immer total viel zusammengemacht haben.

00:05:08: Für mich war's irgendwie immer was sehr Positives.

00:05:11: Ich hab's immer sehr positiv aufgepasst, dass wir erstens so viel zusammen gemacht haben und zweitens, ich bin damit aufgewachsen, dass nicht alle Familien gleich sind.

00:05:19: Und das ist einfach Unterschiede gibt in Alltagssituationen bei uns zuhause.

00:05:25: Aber das heißt, als Kind wusstest du eigentlich erst mal gar nicht, dass da ein Unterschied ist zu anderen Familien.

00:05:30: Sondern es war einfach normal in der schöne Geschichte.

00:05:33: Ja, auf jeden Fall ... Man muss dazusagen, wenn mein Bruder klein war, hatten wir die Diagnose auch noch gar nicht.

00:05:39: Meine Mutter hatte immer wieder die Vermutung, aber es wurde nie bestätigt.

00:05:44: Das bedeutet an sich wusste ich auch nicht, was anders war.

00:05:47: Es hat sich so angefühlt wie sie sich immer angefühlte.

00:05:50: Und was würdest du sagen, wie groß ist der Unterschied?

00:05:53: Oder wo liegt der Unterschied zwischen eurem Alltag und dem ... einer Familie ohne Kind mit Autismus?

00:05:59: Ich würde sagen, es geht schon viel darum.

00:06:03: Es gibt viele Termine, glaube ich, die andere Familien halt nicht haben.

00:06:07: Die bekomme ich natürlich jetzt weniger mit irgendwie weil ... ich geh nicht mit meinem Bruder dahin aber meine Mutter hat halt viele Terminen zu schauen wie man ihn am besten unterstützen kann auch in der Schule und dass er seine Therapieplätze bekommt und so was.

00:06:22: Ich glaube das kommt dazu.

00:06:23: Und dann für uns war's halt immer dieses dass mein Bruder keinen großen Freundeskreis hat.

00:06:29: Dass wir als Familie viel zusammengemacht haben, damit er ... ja?

00:06:33: einfach damit er jemanden hat, mit dem man was machen kann.

00:06:36: Und dann war es so, dass wir halt irgendwann ... Irgendwann kam die Diagnose und dann haben wir da schon auch viel als Familie darüber geredet.

00:06:44: Uns musste das auch erklärt werden.

00:06:46: Wir haben noch einen kleinen Bruder, den musste das dann auch erklären.

00:06:49: Der war echt noch klein.

00:06:51: Ich glaube, insgesamt ist es schon ähnlich.

00:06:53: Es gibt jetzt nichts außergewöhnliches, was irgendwie anders ist.

00:06:57: Aber insgesamt ist da eine andere Sache, die berücksichtigt wird.

00:07:02: was mich zu deiner Kindheit noch interessieren würde.

00:07:05: Wenn du sagst, du hast eigentlich erst mal gar nicht gemerkt das was anders ist als bei anderen Leuten?

00:07:10: Als du das dann gemerkt hast, hast du auch als Kind schon gemerkt dass andere Leute euch als Familie irgendwie anders angucken und das als anders ansehen.

00:07:19: Und wie hast du das irgendwie so aufgenommen?

00:07:21: Ja

00:07:21: auf jeden Fall, also das war irgendwie ... Das war oft so.

00:07:25: Also ich war oft die Schwester von meinem Bruder und damit wurde ich oft irgendwie assoziiert.

00:07:30: Und andere Menschen haben sich viel ein Urteil darüber gebildet.

00:07:34: Es gab schon auch Menschen, die interessiert waren.

00:07:37: Auch wenn es leider eher die Ausnahme war.

00:07:39: Sondern es gab schon einfach viel Urteil, viel Kritik.

00:07:43: Wenn mein Bruder angeeckt ist, dann haben sich viele Menschen an mich gewendet.

00:07:47: Ich wusste doch gar nicht was ich machen soll!

00:07:50: Ich konnte das Verhalt nicht ändern und ich konnte auch nicht immer alles erklären.

00:07:55: Das ist für mich ein total wichtiger Punkt, weil es nie was Schlimmes oder was Komisches war, wenn Bruder autistisch war.

00:08:06: Aber diese Urteile von außen ... Das war immer das, was mich beschäftigt hat.

00:08:10: Andere Menschen haben versucht ihr beizubringen, dass da doch irgendwas falsch ist?

00:08:15: Ja!

00:08:15: Obwohl es gar nicht war ... Du sagst, du hast erzählt, dass deine Mutter viele Termine hat mit deinem Bruder und ihr trotzdem sehr eng seid als Familie.

00:08:25: Hast du irgendwie das Gefühl gehabt oder hast du das Gefühl, dass du viel Rücksicht nehmen musst, dass sowohl auf deinen Bruder aufpassen musst und deinen Eltern helfen oder so?

00:08:34: Nee, ich finde meine Mutter hat sich das immer sehr gut gemacht und sie hat es auch immer absichtlich genauso gemacht.

00:08:40: Sie hat da sehr drauf geachtet, dass wir zum Beispiel unsere eigenen Hobbys haben

00:08:45: z.B.,

00:08:46: Und ich fand es schon immer schön gar nicht weil ich keine Zeit mit meinem Bruder verbringen wollte sondern halt eben von durch die Urteile von außen war's für mich schon schön einfach mal Umfeld dazu zu haben wo ich dann nur ich war.

00:09:01: Das war schon was, was ich immer schön fand hat.

00:09:04: zum Beispiel auch immer, wenn ich z.B.

00:09:06: zu ersten Hobby gemacht hab und mein Bruder das dann machen wollte ... war's was, was ich gefragt wurde, weil es irgendwie was war, wo ich einfach mal nur ich war.

00:09:15: Und ich da immer gefragt wurde.

00:09:16: Deswegen fand ich, dass meine Mutter das immer gut gelöst hat.

00:09:19: Also natürlich zu Hause achtet man darauf.

00:09:23: Aber wieder wie ich ja schon gesagt habe, das war halt schon immer so, wie ich mit meinem Bruder umgehe.

00:09:28: Für mich war das jetzt nicht eine Belastung, dass ich anders mit meinen Brudern umgehen muss.

00:09:33: weil sich da ja nichts verändert hat.

00:09:35: Ja, das finde ich voll spannend, weil so würde ich es nämlich bei mir ähnlich auch sagen ... dass es wichtig ist, einerseits Nähe mit dem kranken Geschwister zu haben und andererseits eben, dass das gesunde Geschwisters Kind auch eigene Räume hat und die Möglichkeit hat, außerhalb von dieser Familie irgendwie als Person wahrgenommen zu werden und nicht immer nur um das kranke Geschwester geht.

00:10:00: Ich weiß zum Beispiel noch damals, wirklich schlecht ging und dann war ich in der Klinik.

00:10:04: Und dann war klar, meine Eltern fahren nicht in den Urlaub und lassen mich da alleine, weil dann ist niemand da, der irgendwie hin kann.

00:10:10: Dann haben Freunde von uns einfach mein Bruder mit dem Urlaub genommen.

00:10:14: Das war damals so eine wichtige Geste ... Ja?

00:10:18: Weil man daran gemerkt hat, okay, alle gucken grade nach mir, nach diesem kranken Geschwistern, aber die Leute sehen auch ihn und gucken das ihm gut geht, dass er es schön hat Eingenommen wird von dieser Krankheit.

00:10:32: Ich

00:10:32: glaub auch, dass ist schon was, was ich immer toll fand, wenn Erwachsene das gemacht haben.

00:10:37: Dass man natürlich immer schaut, dass es dem Kind, dem's gerade schlecht geht oder das Unterstützung braucht nachdem schaut aber eben auch nach dem anderen Kind, weil Kinder so viel mitbekommen und ... einen beschäftigt, das auch nach denen geschaut wird.

00:10:53: Ich weiß nicht wie es bei dir ist in so deinem Umfeld zum Beispiel der Schule wissen die meisten Menschen da?

00:10:59: Dass du eben ein autistischem Bruder hast oder ist das sowas was ... Eigentlich da keine Rolle spielt.

00:11:04: Meine engsten Freundinnen, die oft bei mir zu Hause sind ... Die wissen das auf jeden Fall.

00:11:09: Ich versuch da auch nicht so einen Geheimnis darauszumachen im Sinne von dass es irgendwie sowas ganz Schlimmes ist weil es halt wie gesagt für mich ja einfach ganz normal ist.

00:11:18: Andererseits würde ich schon aber auch immer sagen, dass es ja irgendwie die Entscheidung von meinem Bruder ist, dass er darüber spricht.

00:11:24: und aber mit den Leuten, mit denen ich eben auch über Sachen spreche, die mich beschäftigen, die wissen das.

00:11:33: aber ich würde sagen, in der Schule ist es jetzt an sich nicht bekannt.

00:11:36: Aber wenn Leute ... zu mir nach Hause kommen und meinen Bruder kennenlernen, dann merken sie das meistens.

00:11:42: Aber

00:11:42: find ich voll gut, dass du sagst die Entscheidung von deinem Bruder?

00:11:45: Weil psychische Erkrankungen sollten ja nie ein Tabu sein oder offen drüber sprechen.

00:11:50: Ich weiß auch, als ich krank geworden bin, viele Gerüchte überall aufgekommen sind weil Leute es halt weitererzählt haben nicht unbedingt korrekt weitererzählt haben, weil sie eigentlich gar nicht alles wussten.

00:12:00: Und teilweise Menschen, denen ich noch nicht so viel erzählt hatte, richtig viel Angst gemacht wurde, weil irgendwas erzählt wurde.

00:12:06: Du sagst, wenn Leute es mitbekommen ist das überhaupt kein Tabu.

00:12:09: Aber eigentlich ist es seine Sache.

00:12:11: Ist schon ziemlich

00:12:13: schön.".

00:12:13: Das habe ich gefragt mit der Schule, weil bei mir war's beispielsweise so, dass sie als viele Lehrkräfte von meinem Bruder mitbekommen haben und die ihn so doller aufgefangen haben.

00:12:26: Es war so gut, dass es so einen Netz gab von Erwachsenen ... Alle sich nicht nur mich, sondern auch meinen Bruder gekümmert haben.

00:12:33: Meinem Bruder ging's dann schlecht in der Zeit.

00:12:35: Das hat die natürlich Donne mitgenommen und meine Eltern, den gings natürlich auch schlecht.

00:12:40: Dann gab es viele Leute drumherum, die sich um ihn gekümpft haben.

00:12:43: Beispielsweise einen Sozialarbeiter, der jede Woche sich mit ihm getroffen hat und eine Stunde geredet und so freiwillig.

00:12:51: Da waren Menschen, die sie sich sehr um ihn gekommen haben.

00:12:54: Und das ist ganz wichtig!

00:12:56: Wenns irgendwie nötig ist ... um Bescheidwissen und helfen können.

00:13:01: Man hat die ganze Familie im Blick.

00:13:04: Ich glaube, bei mir war es nie so eine akute Situation sozusagen.

00:13:09: Das bedeutet ... Also meine Lehrer, weil ich auch auf einer anderen Schule bin als mein Bruder, wissen davon nicht?

00:13:18: Ich denke, aber für mich war es schon immer ... Es wussten genug Menschen, an die ich mich wenden konnte.

00:13:25: Und wenn's mir schlecht geht, ist das nicht so.

00:13:29: Aber es wussten nicht automatisch wie bei dir jetzt.

00:13:33: Wussten dann so viele Lehrkräfte davon?

00:13:35: Ja, man kann unsere Situation schwer vergleichen.

00:13:38: Das eine war irgendwie ne dolle Krise und begleiten mich meine psychischen Erkrankungen auch jetzt noch.

00:13:44: Aber mittlerweile ist es nicht mehr so stark ... Und das eben nicht wie's damals war.

00:13:49: plötzlich die Schwester ist weg in der Klinik.

00:13:52: Es war ja eine extrem akute Situation, wo mein Bruder aufhangen musste.

00:13:58: Bei dir ist es einfach ein normales Leben.

00:14:01: Hast du gemerkt... was deine Erkrankung mit deinem Bruder gemacht hat.

00:14:06: Gab es Momente, in denen du dir Sorgen um ihn gemacht hast?

00:14:10: Ja ... Also ich hab natürlich auch gemerkt, dass's ihm erstens schlecht ging und er hatte vor allem viel Angst, weil er ist ... glaube ich, einfach nicht so einfach Situationen einzuschätzen als zehnjähriger kleiner Bruder.

00:14:25: Und er konnte gar nicht sagen was passiert ja eigentlich gerade und ... Ich hab oft das Gefühl, ich habe ihn aus seiner Kindheit rausgeschmissen zu früh also er war noch ... Man spricht über die so unbesorgte Kindheit.

00:14:38: Da war er eigentlich noch voll drin.

00:14:39: Er war zehn und der hat halt Lego gespielt.

00:14:43: weiß ich nicht, ob er es zu dem Zeitpunkt noch hat aber in meinem Kopf hat er das dann noch.

00:14:46: Dann wurde er plötzlich mit harten Themen konfrontiert und dann noch so nah an ihm dran, im engsten Familienkreis.

00:14:55: Wo er davor wahrscheinlich nicht so viel davon mitbekommen hat.

00:14:58: Und deswegen habe ich immer ein schlechtes Gewissen.

00:15:01: Ich glaube das wird auch bleiben weil das kann man nicht wieder gut machen.

00:15:05: natürlich ist es nicht meine Schuld aber der Gedanke bleibt natürlich trotzdem dass ich irgendwas kaputt gemacht habe.

00:15:12: Auch wenn mein Bruder sich in den letzten Jahren irgendwie einen wahnsinnig organisierten und verantwortungsbewussten Menschen verwandelt hat, also man merkt jetzt eben erst jetzt fünfzehn, dass er nicht mehr dieses Kind ist was er mal war sondern irgendwie hat fast das Gefühl, er ist der große Bruder manchmal.

00:15:29: Er ist auch mittlerweile halt ein Kopf größer als ich mindestens.

00:15:33: aber ja es hat sich viel verändert und ich glaube, dass ich mir gewünscht hätte, er hätte irgendwie länger mehr Kind sein können.

00:15:40: Aber letztendlich, glaub ich, hat die Entwicklung

00:15:44: ja.

00:15:45: Was ich dazu sagen kann, auf jeden Fall.

00:15:47: Da hatten wir auch schon mal drüber gesprochen.

00:15:48: Also für mich war das irgendwie diese Schuldfrage und so war für mich irgendwie nie da.

00:15:54: Für mich war es immer schön den Bruder zu haben, den ich habe.

00:15:57: Und wie du auch meintest zur Entwicklung von deinem Bruder?

00:16:00: Ich denke auch, dass nicht die Person wäre, die jetzt hier sitzt und dass ich meinen Bruder habe der ist, wie er ist.

00:16:07: Deswegen ... normal einerseits, aber es ist irgendwie schon auch einfach schön so wie's ist und ich würde das dann gar nicht verändern

00:16:17: wollen.

00:16:18: Würdest du sagen dein Bruder hat dir quasi diese Offenheit, diesen Blick geschenkt?

00:16:23: Ja auf jeden Fall!

00:16:24: Ist

00:16:24: sehr schön für mich mit dir darüber zu reden weil es mich immer ein bisschen heilt, weil ich merke okay die andere Seite ist da und die andere seite ist holler.

00:16:34: Liebe zu deinem Bruder und nicht mit irgendwie Schuld oder ... Nee, das ist irgendwie...

00:16:40: Ja.

00:16:41: Schön, was mir irgendwie wichtig ist ... Ich glaube, dass meine Eltern viel sehr gut gehandelt haben und ich auch mit Westes probiert habe, um das mit meinem Bruder gut hinzukriegen.

00:16:52: Aber ich glaube, es war falsch zu versuchen, dass er so wenig wie möglich mitbekommt.

00:16:57: Und eben die Sachen nicht gut genug zu erklären.

00:17:00: Das wäre etwas, was ich anders machen würde oder was ich Eltern ... mitgeben würde.

00:17:05: Also klar, muss man nicht alles erzielen und je nachdem Alter sollte man sowieso vorsichtig Sachen erklären.

00:17:11: aber ich glaube es ist wichtig ist so sagen was da gerade passiert und die Geschwistern nicht irgendwie so alleine dastehen zu lassen.

00:17:18: Ich glaube dass mein Bruder viel nicht verstanden hat und gleichzeitig hat der viel mehr mitbekommen als wir dachten.

00:17:23: ja also Wir dachten er kriegt das nicht so mit.

00:17:25: deswegen erzählen wir ihm gar nicht.

00:17:26: dann macht er sich wenig ersorgen.

00:17:28: Aber eigentlich hatte er viel mit bekommen und er hat es einfach nicht verstanden und hat sich dadurch noch viel mehr Sorgen gemacht.

00:17:33: Ich glaube, es ist wichtig das kindgerecht alles zu erklären.

00:17:36: Damit Kinder damit besser umgehen

00:17:38: können.".

00:17:38: Ich

00:17:38: glaub auch, dass das total wichtig ist was du gesagt hast.

00:17:41: Man denkt oft, wenn man Kindern etwas nicht erzählt dann kriegen sie das schon nicht mit.

00:17:45: aber die Kinder sind so feinfühlig und wie wir kommen.

00:17:48: also ich habe auf jeden Fall sehr viel mitbekommen bevor es dann wirklich ausgesprochen wurde.

00:17:54: Und ich fand es auch immer wichtiger, dass mir erklärt wurde ich konnte mit der Diagnose erst überhaupt nichts anfangen weil ja da auch noch recht klein war Und das fand ich auch total wichtig, dass mich da jemand an die Hand genommen hat und mir gesagt hat.

00:18:07: Das ist es!

00:18:08: So kann es für andere Menschen aussehen.

00:18:10: Es ist ja besonders vom Autismus, weil sie ein Spektrum ist was ganz Großes, dass mein Bruder eine Form davon hat und andere Menschen bei denen sieht das ganz anders aus.

00:18:18: Und das find ich auch Total wichtig.

00:18:20: in der Situation

00:18:21: Hattest du Leute, die dich direkt an die Hand genommen haben und erklärt haben?

00:18:26: Ist dir die Diagnose bekommen hat oder warst du erst mal irgendwie ratlos.

00:18:30: Meine Mutter hat mir das schon dann erklärt in dem Moment, weil es war im Corona-Lockdown als mein Bruder die Diagnose bekommen hatte.

00:18:38: Und meine Mutter ... Ich war ja viel mit meinem Bruder zusammen.

00:18:42: Weil ich war nicht in der Schule.

00:18:43: Dann hab ich das schon viel mitbekommen.

00:18:45: Meine Mutte hat ihr Bestes versucht, das mit ihrem Wissen zu erklären.

00:18:49: Sie wusste natürlich auch nicht ab.

00:18:51: Weil für sie war das auch neu, aber sie hat sich auf jeden Fall sehr viel informiert und hat immer wieder versucht mir Hilfe anzubieten.

00:19:00: Und ich hatte dann einen Termin bei seiner Therapeutin damit sie mir das erklärt.

00:19:06: Sie mir Fragen beantwortet, die meine Mutter eben nicht beantworten kann.

00:19:10: Ich finde, dass meine Mutter das da wirklich gut gelöst hat, dass auch die Sachen, die sie selber nicht erklären konnte, ich trotzdem Fragen zu bekommen

00:19:17: hab.".

00:19:18: Das hört sich ja irgendwie so an als wär ... auch für deine Mutter gar nicht so einfach gewesen, genug Sachen darüber zu erfahren.

00:19:23: Also irgendwie ist es immer noch schwierig dass das Umfeld von Betroffenen diese Infos bekommt.

00:19:29: also gerade beim Autismus ist ja einfach das Spektrum so groß da gibt's einfach so

00:19:33: viel.

00:19:33: aber auch bei den psychischen Krankheiten bräuchte man eigentlich jemand der sich dann also einmal mit den Eltern einmal mit dem Schüttern hinsetzt und alles irgendwie die Dachen genau erklärt.

00:19:43: Weil, die so schwer zu verstehen sind, die psychischen Erkrankungen und die Betroffenen können ja meistens dann in der akuten Situation nicht so viel erklären beziehungsweise es ist schwierig, die dann auszufragen gerade wenn's ein emotionales Verhältnis gibt.

00:19:57: also ich kann viel besser mit meinen Erkankungen mit fremden Leuten sprechen als mit meinen Eltern zum Beispiel weil da hängen ja viel mehr Emotionen so dran.

00:20:04: Ja

00:20:05: auch dass das wichtig ist Das ist, glaub ich halt auch irgendwie die Schwierigkeit an der Situation.

00:20:10: Weil es für alle neu ist und dann die Eltern vor dieser Situation stehen, dass alle irgendwie mitgenommen werden müssen?

00:20:18: Ich glaube

00:20:18: tatsächlich man bräuchte mehr professionelle Angebote, wo die Geschwisterkinder hingehen können und Sachen erklärt bekommen oder wieder reden können.

00:20:27: Davon hab ich jetzt zumindest noch nicht so viel mitbekommen.

00:20:29: Ich weiß nicht wieviel's so was gibt.

00:20:31: Also ich hab davon auf jeden Fall nichts mitbekommen ... Wie gesagt, ich bin eben zur Therapeutin von ... mein Bruder und habe ihr Fragen gestellt.

00:20:38: Da meine Informationen bekommen, aber so richtig Angebote kenne ich auch nicht.

00:20:43: Und ich finde auch insgesamt einfach dass man besser an Information kommt die schnell sind und verständlich find ich auch sehr wichtig auch außerhalb von den Geschwistern weil das hatte ich auch schon mal so angedeutet.

00:20:54: Ich wurde schon auch viel gefragt von anderen Leuten und mit einem guten Hintergedanken Aber ich konnte es auch nicht immer alles erklären Ich wollte das nicht immer alles erklären.

00:21:03: Also ich wollte auch irgendwie, dass Menschen das auch selber verstehen können, weil es für mich halt auch irgendwie besonders in der ersten Situation von der Diagnose schon was Neues und was war, was mir gerade sehr eingenommen hat ... Und ich hätte es total schön gefunden hätten mehr Menschen sich wirklich gut dazu informieren können, Gerüchte und Vorurteile, dass Menschen eigentlich entweder überhaupt nicht informiert oder halt falsch informiert waren.

00:21:30: Ich

00:21:30: hab dich ja dann auch irgendwie in so eine Verantwortung gebracht ... Genau!

00:21:33: Die eigentlich gar nicht deine sein sollte, weil ich mein du warst auch noch ein Kind?

00:21:36: Das ist

00:21:37: glaube ich was, was sich noch ändern muss.

00:21:39: Ja Marta hat sich eure Beziehung durch die Erkrankungen verändert und wenn ja wie?

00:21:45: Ich sag oft irgendwie meinen kleinen Bruder als mein großer Bruder geworden.

00:21:48: Nicht nur weil er gewachsen ist sondern auch weil... Ich irgendwie lange Zeit nicht in der Lage war, so viele Verantwortung zu übernehmen und er mir immer ganz viel geholfen hat.

00:21:58: Also ich glaube fast kein Mensch hat irgendwie soviel sich um mich gekümmert wie mein Bruder.

00:22:05: eigentlich immer noch so, dass wenn wir alleine zu Hause sind das er meistens das Abendessen kocht und so.

00:22:10: Wo ich die große Schwester bin und die Verantwortung tragen sollte.

00:22:13: aber irgendwie kümmert er sich es immer noch sehr viel um mich.

00:22:16: Und klar bin ich mittlerweile auch in der Lage mehr selber zu machen und wir teilen uns die Aufgaben und so.

00:22:21: Aber er ist sehr wichtig für mich.

00:22:24: Insgesamt ist unsere Beziehung sehr viel enger geworden.

00:22:27: Also mein Bruder erzählt mir Sachen anderen Leuten nicht erzählt, ich kann mit ihm über Sachen reden.

00:22:35: Es ist nicht mehr das, was man in der Kindheit hatte ... dass man irgendwie hauptsächlich streitet und sich trotzdem sehr lieb hat.

00:22:44: Man libt sich sehr, aber eigentlich streitet man sich nur die ganze Zeit!

00:22:47: Und klar sind wir uns auch nicht immer einig und ärgern es auch übereinander.

00:22:51: Aber wir haben viel mehr Nahmomente miteinander und können richtig miteinander reden.

00:22:58: Das ist irgendwie was der Schönes.

00:23:00: Und ich glaube natürlich durch das Alter hat sich das auch verändert, aber ich glaube schon, dass diese Krankheit mein Bruder und mich und uns als ganze Familie näher aneinander gerückt

00:23:09: hat.

00:23:11: Also in der Krise haben wir alle irgendwie ... sind wir irgendwie näher auseinanderangekommen?

00:23:17: Wenn mir jetzt über die Beziehung zwischen den Geschwistern reden bei euch ist ja eigentlich ... Hat sich ja nichts verändert im Laufe der Jahre so richtig von der Situation her.

00:23:25: Aber... Was sind denn irgendwie so Sachen, die dir helfen oder euch helfen eine gute Beziehung zu haben?

00:23:33: Das finde ich ganz so.

00:23:34: eine einfache Frage.

00:23:35: Weil man muss schon sagen dass die Interessen von meinem Bruder und mir sehr unterschiedlich sind.

00:23:40: also Mein Bruder mag zum Beispiel sehr, sehr gerne Quiz-Shows und das ist bei uns irgendwie voll.

00:23:45: Das Ding was wir als Familie zusammen machen es kommt immer einmal die Woche eine Quiz Show, die wir alle zusammenschauen und gemeinsam raten und so... Also das ist immer so ein Moment den wir zusammenmachen oder wir machen zusammen Workshops von seinem Lieblingssport oder sowas.

00:24:01: also es ist viel irgendwie was wir as Familie zusammenmachen.

00:24:04: aber schon auch er liebt zb Alle Spiele, also Gesellschaftsspiele zu spielen.

00:24:10: Das machen wir auch sehr oft zusammen und ich weiß nicht ... Aber dadurch dass er ja schon viel zu Hause ist, machen wir schon auch viel zusammen insgesamt für dich sagen.

00:24:18: Ich glaube irgendwie man kann nicht so eine bestimmte Sache sagen aber es sind ein paar Sachen die wir oft zusammenmachen auf jeden Fall.

00:24:25: War das zwischendurch mal anders?

00:24:26: Gab's Phasen in denen du Schwierigkeiten hattest was Gemeinsames zu finden?

00:24:31: oder wo ihr weniger eng wart?

00:24:34: Ich glaub, eigentlich ... Die Beziehung hat sich jetzt nicht so wirklich verändert.

00:24:39: Es gab schon diesen Übergang von Kind zu Jugendlich, würd ich sagen.

00:24:43: Er ist jetzt auch sechzehn, also auch kein kleines Kind mehr und da gibt es auf jeden Fall einen Unterschied.

00:24:48: Aber bei uns beiden haben sich die Interessen noch mal ein bisschen verändert aber die Beziehungen an sich hat sich glaube ich nie so groß verändert.

00:24:57: Glaubst du das dir?

00:24:59: euch so gut versteht, dass ihr so eng seid.

00:25:01: Ist das einfach passiert ist oder gibt es da Gründe für?

00:25:04: Was braucht es ... so eng sein könnt.

00:25:07: Also,

00:25:08: ich glaube schon ... dass auch meine Mutter und unser Familienleben dazu beigetragen hat.

00:25:15: Wir waren schon immer... Meine Mutter war zu Hause und hat auf uns aufgepasst.

00:25:19: Das bedeutet, wir haben viel Zeit als Familie verbracht.

00:25:22: Ich glaub schon, dass das einfach ein Teil dazu beigtragend hat.

00:25:26: Die haben schon immer viel zusammengespielt und so.

00:25:29: Es war immer wichtig.

00:25:31: Natürlich haben wir was mit Freunden gemacht aber auch viel als Geschwister.

00:25:35: Ich würde schon sagen, dass meine Mutter halt wie gesagt immer versucht hat uns alles zu erklären.

00:25:40: Also das sie uns auch immer wieder darauf aufmerksam gemacht hat, dass manche Sachen bei meinem Bruder so sind die bei Ander nicht so sind.

00:25:49: und ich muss ehrlich sagen manchmal ist es schon ein bisschen schwierig finde ich weil mein Bruder jetzt in der Pubertät ist Und ich auch oft nicht weiß ob er mich einfach aktiv nervt oder ob das jetzt gar nicht absichtlich ist.

00:26:04: Und dann weiß ich auch immer nicht genau, wie ich darauf reagieren soll.

00:26:08: Besonders als ich kleiner war, war das etwas, was meine Mutter mir erklärt hat.

00:26:13: Dass das was ist, was er eigentlich gar nicht besser kann.

00:26:16: Wo er es jetzt nicht absichtlich macht, auch wenn ich das vielleicht so auffasse, aber dass das gar nicht so ist ... Ich finde diese Erklärung von meiner Mutter und dieses, dass sie da wirklich immer drauf geachtet hat, Auch mein Bruder wurde erklärt, dass manche Sachen uns einfach sehr stören.

00:26:36: Und das halt was ist, was man nicht machen sollte.

00:26:39: Aber ich glaub schon, dass meine Mutter auch da einen großen Teil zu beigetragen hat.

00:26:43: Du und dein kleinster Bruder hatte dir auch irgendwie mal ... Habt ihr mal alleine Zeit mit eurer Mutter verbracht?

00:26:50: Oder war es so, dass deine Mutter eigentlich immer bei deinem ... Bruder in der Nähe war.

00:26:55: Ich würde schon sagen, dass mein kleiner Bruder und ich auch immer sehr viel Zeit mit meiner Mutter vorbracht haben.

00:27:01: Wir waren ... also wir sind beide, das kommt noch dazu hochsensibel.

00:27:05: Das bedeutet da ist meine Mutter dann auch immer auf uns eingegangen.

00:27:10: Es gab irgendwie auch mehrere Themen, würd' ich jetzt mal so sagen?

00:27:13: Es wird deine Mutter sehr viel leistend, dass sie irgendwie sehr viel Verantwortung übernimmt und für alle da ist.

00:27:20: Auf jeden Fall.

00:27:21: Schön.

00:27:22: Ja, ich glaube auch.

00:27:23: Es ist

00:27:24: auf jeden Fall sehr anstrengend und eine sehr große Aufgabe, die sie aber wirklich toll macht.

00:27:30: Weil ich mich nie so gefühlt habe als würde ich hinten angestellt werden.

00:27:36: Ich glaube auch, dass mein kleiner Bruder das nie gespürt hat.

00:27:39: Das ist eine tolle Sache in so einer Situation.

00:27:41: Ja, es

00:27:42: ist doch ne große Leistung, dass das geklappt hat.

00:27:45: Ich glaub, das könnte ja ein großes Problem sein.

00:27:48: Ich kann mir vorstellen ... Weil Geschwistern oft schwierig ist, wenn das eine krankte Geschwista sehr viel Aufmerksamkeit bekommt und das andere Geschwester so untergeht.

00:27:58: Gerade auch wenn es mehrere Geschwisters sind wird's ja immer unübersichtlicher.

00:28:02: Ja auf jeden Fall!

00:28:03: Kann mir vorstellen dass das oft schief läuft und dann dazu führt, dass es eben den Geschwistern besonders schlecht geht bzw... gar nicht auffällt, wenn die Geschwister auch irgendwas haben.

00:28:12: Wie

00:28:13: ist es denn bei dir?

00:28:14: Was denkst du hat geholfen, die Beziehung zu deinem Bruder zu halten?

00:28:19: So eine gute Frage!

00:28:20: Ja ich glaube auch weiter dass das irgendwie ne Mischung aus Distanz und Nähe sein muss.

00:28:26: also und auch so war... Also mein Bruder brauchte seinen eigenes wo die Leute eben nicht nach mir gefragt haben und es nicht um mich ging und er einfach eine schöne Leid haben konnte ohne darüber nachzudenken, was gerade mit mir ist.

00:28:39: Und gleichzeitig trotzdem Nähe und diese Erklärungen wie du gesagt hast.

00:28:43: also als ich in der Klinik war kam mein Bruder trotzdem vorbei und er hat mich umarmt.

00:28:48: Und hat alles mitgekriegt, das war ganz wichtig.

00:28:51: Ein schöner Moment an dem ich mich erinnere ist, als mein Bruda vor der Klinik mit Kreides auf den Boden geschrieben hat.

00:28:57: Wärtschnell gesund, meine Schwester und dann so Herzen ... Das hab ich gesehen, als ich rauskam.

00:29:04: Der war immer dabei.

00:29:06: Gleichzeitig haben andere Leute sich darum gekümmert, dass wer auch sein eigenes hat.

00:29:10: Ich glaub, es hat viel geholfen.

00:29:13: dass eben Eltern dann, auch wenn sie selber irgendwie natürlich Angst haben und mitten dieser Krise sind oder in diesem Leben.

00:29:20: Je nachdem können die Verantwortung tragen, dass es sich genug Aufmerksamkeit beim Geschwisterkind bleibt.

00:29:27: Und wenn Sie das selbst gerade nicht leisten können zu gucken ... Freunde, restliche Familie und so da sind die sich einfach mit kümmern.

00:29:36: Ja das glaube ich auch auf jeden Fall.

00:29:37: Ich glaub auch dass alle Angehörigen

00:29:40: von

00:29:41: Betroffenen immer auch schauen müssen Sie selber dabei nicht untergehen und sich selbst Hilfe holen können, wenn sie merken, dass sie das auch sehr beschäftigt.

00:29:51: Was mich interessiert ist viel über die Eltern gesprochen, was wir uns von denen wünschen würden mit den Geschwistern und Betroffenen.

00:29:59: Worüber wir noch nicht so viel geredet haben, ist das restliche Umfeld.

00:30:02: Das finde ich ein sehr interessantes Thema.

00:30:05: Hast du das Gefühl, Leute haben dich anders behandelt?

00:30:09: Und hattest du ... Wer Probleme irgendwie sozial anzukommen?

00:30:12: Ich

00:30:12: glaube, also ... An sich war's ja nicht immer klar von wem ich die Schwester bin.

00:30:16: Aber es war schon so dadurch, dass ich in einem Stadtteil aufgewachsen bin.

00:30:20: Also mit den gleichen Menschen in den Kindergarten und ins Gymnasium gegangen sind.

00:30:25: Und da waren viele Leute, kannten schon meine ganze Familie.

00:30:29: Das war oft so.

00:30:31: Für mich war das besonders in der Grundschule so, weil alles noch ganz eng ist.

00:30:37: Jeder kannte jeden.

00:30:38: Da wusste ... Und da fand ich schon, dass ich oft eben als die Schwester von meinem Bruder wahrgenommen wurde.

00:30:47: Das fand ich nicht immer schön und ... gar nicht, weil ich das blöd finde, dass sich die Schwester bin.

00:30:53: Sondern weil das irgendwie so dann ... die einzige Assoziation mit mir war, was ich schon schade fand, weil man das Gefühl hatte von anderen Menschen nicht gesehen zu werden.

00:31:02: Weil ich nur auf eine andere Person reduziert werde.

00:31:05: Das fand ich immer schade und es gab auch löde Situationen, muss ich sagen, mit Leuten, mit denen ich befreundet war, die zu mir nach Hause gekommen sind.

00:31:14: Und irgendwie echt nicht... und das hat mich dann schon immer sehr beschäftigt, weil es irgendwie noch so eine andere Sache war.

00:31:23: Es ging nicht mehr nur noch um dieses ... Wie geht jemand mit mir um?

00:31:27: Sondern auch kann ich die Person zu mir nach Hause nehmen, ohne dass sie blöd zu meinem Bruder ist.

00:31:32: Ich finde es total traurig das sagen zu müssen, weil ich immer denke ... Es ist nicht schwierig.

00:31:36: Also es ist nicht so, dass man irgendwie da ganz viel beachten muss oder so.

00:31:41: Aber das war schon was, was mir auf jeden Fall aufgefallen ist und was mich oft verletzt hat.

00:31:46: Und eben dieses, dass viele Menschen überhaupt nicht bescheid wussten.

00:31:51: gar nicht so im Sinne von, dass alle Bescheid wissen müssen.

00:31:53: Ich wusste das auch nicht, aber es gab so viele Vorurteile und so ... Das ist mir schon oft aufgefallen und mich schon

00:32:01: gestört.".

00:32:02: Wo hattest du quasi Erlebnisse, wo du dachtest okay das sind gut coole Menschen mit denen möchte ich befreundet sein und die sind zu dir nach Hause gekommen.

00:32:08: Und dann hatt es für okay eigentlich sind das doch nicht die richtigen Menschen?

00:32:11: Ja schon.

00:32:11: also besonders auch so bei meinen Geburtstagen wo halt wirklich viele Leute oft da sind und ich oft irgendwie in meinem Gartenfeier und meine Bruder dann auch dabei sind und Ich dann oft einfach bemerke dass finde jetzt schon nicht so toll wie je du damit anderen menschen umgehst und Das finde ich dann irgendwie.

00:32:28: Es war schon.

00:32:29: Ich weiß nicht, das klingt vielleicht so ein bisschen blöd.

00:32:31: Aber wenn dann jemand zu mir nach Hause gekommen ist und mein Bruder kennengelernt hat, war es schon irgendwie ein Zeichen von Charakter, wenn man das gut hinbekommen hat ... Obwohl

00:32:41: das eigentlich das Normalste der Welt sein sollte?

00:32:44: Ja,

00:32:45: auf jeden Fall!

00:32:45: Ich weiß nichts.

00:32:46: War das bei dir auch ähnlich oder wie hast du das wahrgenommen?

00:32:50: Bei mir

00:32:50: war's ja so'n bisschen anders.

00:32:52: bevor ich ... In die Klinik gekommen wussten die meisten Menschen in meinem Umfeld, außer meiner Familie, nicht dass es mir schlecht geht.

00:32:58: Dann war ich plötzlich weg und dann kam's irgendwie zu haben die Leute mitbekommen.

00:33:03: Ich war eigentlich die meiste Zeit sehr offen damit und hab gesagt ihr könnt das auch erzählen.

00:33:08: Weil du musst kein Tabu sein ist halt so.

00:33:11: Sonst kommt's durch blöde Gerüchte raus aber ... Ich glaube, meine Familie hat sehr viel erlebt.

00:33:16: Wie Leute blöd reagiert haben und das finde ich eigentlich genauso schlimm, dass irgendwie ... Meine Familie war unsicher und in so einer blöden Situation.

00:33:25: Und dann haben Leute es mitbekommen und die komisch drauf angesprochen oder irgendwie entweder ungefragte Tipps gegeben was man noch versuchen sollte Dann geht's mir bestimmt besser Oder irgendwie komische Sachen gesagt Weiß nicht!

00:33:38: Ich fand viele Reaktionen sehr... Das hat meine Familie mehr verunsichert, weil sie nicht wussten.

00:33:45: Mit wem kann ich gut darüber reden?

00:33:47: versteht es und reagiert komisch.

00:33:49: Und das ist schade, viele Leute haben ja auch Angst, Leute darauf anzusprechen und zu sagen was zu sagen dazu oder so.

00:33:57: Ich weiß nicht wie's dir geht aber ich denke immer besser was sagen als gar nichts sagen.

00:34:02: und irgendwie ist einfach so ignorieren.

00:34:04: Na klar gibt Sachen die sollte man nicht sagen zum Beispiel zur Tipps geben ungefragt oder irgendwie unangebrachte Fragen stellen.

00:34:11: Irgendwas sagen ist schon immer gut, also für dich zumindest.

00:34:14: Weil oft ist es ja so, dass es einmal nicht besser geht wenn man drüber redet und wenn Leute es dann einfach ignorieren und gar nicht darüber reden wollen gibt das eher ein ungutes Gefühl.

00:34:23: Also hattest du auch die Erfahrung, dass dieses Haltwissen und diese Tabuisierung irgendwie zu Problemen und Verletzungen geführt hat?

00:34:33: Ja ich hatte viel des Gefühls, dass was ist wo man nicht drüberredet.

00:34:40: Es gab immer auch zum Glück Menschen, mit denen sowohl meine Eltern als auch mein Bruder gutreden konnten und ich auch.

00:34:46: Aber ... Ich glaub das in meiner Familie hat sich insofern verändert in der Zeit ist dass viele Freundschaften sich verändert haben von der Familie.

00:34:57: also manche Freundschaft sind irgendwie verloren gegangen dafür sind andere sehr viel enger geworden.

00:35:02: wir hatten zb eine Familie da sind die Eltern jeden jede Woche einmal zu uns gekommen oder meine Eltern zu denen, und die haben gekocht.

00:35:12: Und waren da und haben mit ihnen geredet so.

00:35:14: Und das ist eine Freundschaft, die ist in der Zeit noch viel, viel enger geworden.

00:35:18: Manche Sachen sind verloren gegangen, weil man das Gefühl hatte, okay, das passt irgendwie nicht so gut ... Wenn die in so einer Krise irgendwie falsch reagieren?

00:35:27: Wahrscheinlich ist das was ... so bisschen wie das, was du auch gesagt hattest mit ... Wenn Freunde zu dir nach Hause gekommen sind, hast du gemerkt, wie sie eigentlich wirklich sind.

00:35:35: Ja?

00:35:35: Genau!

00:35:36: Das bei meinen Eltern und meinem Bruder war okay.

00:35:39: Das sind die richtigen Freunde, die reagieren in der Situation gut.

00:35:42: Also ich glaub man merkt schon wer, wer ist in den richtigen Leuten so.

00:35:46: Aber generell brauchen wir noch viel.

00:35:49: diese Enttabuisierung zum Thema, dass es nicht leises ist.

00:35:54: wo man leise drüber redet und sagt, jetzt ist den passiert so.

00:35:58: Dass man gerne Fragen stellt und sich informiert und wenn man drüberredet laut drüber Redet und nicht hinterm Rücken.

00:36:05: Das würde schon viel helfen!

00:36:07: Nina, wenn du jetzt mal irgendwie für die Geschwister sprichst.

00:36:11: Was würdest du den Geschwisters sagen?

00:36:13: Wenn sie in einer ähnlichen Lage sich befinden?

00:36:15: Ich würde

00:36:15: sagen, dass man sich selber nicht vergisst.

00:36:18: Dass es so ist, dass die andere Person betroffen ist und leidet aber das das nicht bedeutet, dass es eigentlich auch selbst beschäftigen kann Man sich Hilfe holen sollte, wenn man mit jemandem darüber sprechen möchte.

00:36:33: Und auch besonders mit Freunden und so.

00:36:35: Mir hat es auf jeden Fall immer geholfen, besonders mit meinen Ängstenleuten offen darüber zu sein damit ich jemanden habe der darüber Bescheid weiß und dich das nicht alleine tragen muss.

00:36:47: Ich glaube, dass ist ganz wichtig Dass man selber schaut wie's einem geht Wenn man jemand anderen unterstützt Was würdest du denn?

00:36:55: Also

00:36:56: auf jeden Fall, dass es okay ist, dass die Erkrankung die Familie beeinflusst und dass ihr das nicht ändern könnt.

00:37:03: Und was besser ist ... die Hilfe der Familie anzunehmen, anstatt es zu verstecken.

00:37:08: Weil das macht's im Endeffekt meist eher komplizierter und dann machen sich die Menschen noch mehr Sorgen als wenn man ehrlich mit ihnen spricht auch wenn ich weiß dass das sehr schwierig sein kann so einer Situation überhaupt offen zu reden.

00:37:21: Ich glaube alles was man irgendwie sich öffnen kann bringt eher Ruhe rein und festigt die Beziehung.

00:37:28: Es ist ganz wichtig, dass ihr wisst, dass Ihr nicht schuld seid an irgendwas sondern Ihr seid mit euch beschäftigt und ihr müsst gesund werden, das ist ganz wichtig.

00:37:37: Und andere Menschen haben die Verantwortung für eure Geschwister.

00:37:41: Die Liebe eurer Geschwisters wird auch nicht weggehen durch die Krankheit, sondern letztendlich stärken solche Krisen euch eigentlich meistens nur.

00:37:51: Ich finde ... Das zeigt alles sehr gut auf wie dieser Post-Podcastname ist.

00:37:56: Es braucht es ganze Dorf!

00:37:58: Weil ... Das passt sehr gut dazu, was wir jetzt eigentlich als Message mitnehmen.

00:38:03: Es braucht irgendwie ein starkes Umfeld und Menschen, die sich kümmern und so.

00:38:07: Ja, das passt

00:38:07: irgendwie.

00:38:08: Das finde ich auch auf jeden Fall.

00:38:10: Ich glaube,

00:38:10: dass wir alle hier mitnehmen können ist eigentlich ... Dass es wieder mal passt der Podcastname, es braucht das ganze Dorf.

00:38:17: Weil um sie wohl für die Betroffenen oder auch für die Geschwister braucht es ein ganzes Dorf!

00:38:23: Und gerade für die geschwister, wo wenn die Eltern sehr viel Zeit für die ... Krankenkinder brauchen.

00:38:29: Dann braucht es eben dieses Dorf mit den anderen Erwachsene, die sich aufwagen und sich kümmern.

00:38:35: Es ist irgendwie schön, dass das wieder so gut passt!

00:38:38: Also passt auf euch auch

00:38:39: und aufeinander.

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